Gespräch mit Helmut Nienaber am 26. Juli 2017

 

Von der Windmühle Harpstedt konnten 14 andere Windmühlen gesehen werden, zu einer

Zeit, als die Windmühlen noch eine Bedeutung hatten.

 

Bis zum 2. Weltkrieg waren dies:

Ippener

Kirchseelte

Horstedt

Sethe

Beckeln

Barjenbruch

Heitzhausen / Harjehausen

Hölingen, Dießelberg bis 1928

Colnrade Hohnhorst von 1856 bis 1936

Holtorf von 1885 bis ca. 1970

Kätingen

Stühren

Schlutter

Bassum-Eschenhausen

Wildeshausen

 

Im zweiten Weltkrieg wurde den Mühlen in Ippener und Kirchseelte der „Kopf“

abgenommen. Die alliierten Flieger konnten anhand des Dreiecks der Mühlen-

stellung festlegen, wo die Bomben abgeworfen werden sollten, nämlich im Gebiet

der „Muna“.

 

Bereits 1870 begann das Mühlensterben. Zu dem Zeitpunkt fand die

„Industriealisierung“ statt. Die Elektrizität übernahm immer mehr die Arbeit

des Windes.

 

Der Opa, Cord Nienaber, hat die Mühle 1912 gekauft. Eigentlich wollte er die

Mühle in Wildeshausen kaufen. Da er aber lutherisch war und nicht, wie in

Wildeshausen üblich, katholisch wurde ihm dringend von einem Kauf abgeraten.

Die zweite Generation war mit Cord Nienaber sicher gestellt und die dritte

Generation ist Helmut Nienaber.

 

Die Mühle in Harpstedt wurde als Lohmühle erbaut, der Erbauer hatte eine Gerberei

und Obstplantage. Es gab bei der Mühle eine Dreschanlage, eine Tabakmühle als

Hammermühle und eine Sägerei, die anfänglich auch mit Wind betrieben wurde.

 

Nach dem ersten, aber auch besonders nach dem zweiten Weltkrieg waren die

Mühlen für die Bevölkerung wichtig um ohne Lebensmittelmarken etwas zum

Essen zu bekommen. Auf den Feldern wurden liegengebliebene Ähren gesammelt

und in kleinen Pucks zur Mühle gebracht. Dort wurde es gemahlen und konnte

verarbeitet werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg brachten die Bäcker Maismehl, welches sie von der

amerikanischen Besatzungsmacht zur weiteren Verarbeitung erhalten hatten.

Dieses konnten sie nicht verwerten.Es wurde bei der Mühle in Roggenmehl umgetauscht.

 

Die Arbeit in der Windmühle verlief folgendermaßen: die Pferde-/ Ochsenfuhr-

werke sind in die Mühle gefahren und der Wagen blieb unter der Luke stehen.

Mit Windkraft wurden die Getreidesäcke einzeln auf den Mahlboden hochgezogen

wo sie dann weiter verarbeitet wurden. Wenn Wind war, wurde gemahlen. Die

Tageszeit spielte keine Rolle. Es wurde auch nachts gemahlen, ein Geselle war

immer da. Die Gesellen wohnten in der Mühle, unten links vom Eingang waren

die Schlafkammern der Gesellen.

 

1928 wurde die Mühle modernisiert. Sie erhielt Jalousienflügel und eine Windrose.

1960 bekam sie noch einmal neue Flügel. Und zum 100 jährigen Bestehen im Jahr

1970 erhielt sie einen neuen Anstrich. Helmut Nienaber und sein Freund Georg

Willms übernahmen diese Arbeit. Wie lange es gedauert hat, daran konnte Helmut

sich nicht erinnern. Eine Begebenheit wusste er allerdings genau. Der Kragen

musste auch einen neuen Anstrich in weiß und schwarz erhalten. Dazu wurde

Georg Willms in einen Korb gesetzt und durch die Luke heruntergelassen.

Damit überall die Farbe ankam hat Helmut von Hand den Kopf immer ein

Stück weiter gedreht.

 

                                        
                                  Harpstedter Windmühle in den 1920er Jahren

 

 

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